Warum mein erster Otto Bock mein letzter Elektrorollstuhl von dieser Firma gewesen sein wird

Dieser Blog „Rollstuhl des Grauens“ ist ja entstanden, weil ich über die Erlebnisse mit meinem ersten Elektrorollstuhl von SKS berichten wollte. Bei SKS handelt es sich um eine Firma aus der Schweiz, der ich eigentlich zugetraut hatte, dass die in der Lage sind, ein gutes Produkt herzustellen. Leider gab es bei diesem Elektrorollstuhl regelmäßig massive Probleme. Bereits nach dreieinhalb Jahren wurde der SKS durch einen neuen Elektrorollstuhl ersetzt. Mein damaliges Sanitätshaus behauptete, dass man den Elektrorollstuhl nicht mehr reparieren könnte. Das halte ich ehrlicherweise für einen Witz. Soweit mir bekannt ist, wird das Modell sogar heute noch gebaut und verkauft, und warum man dann meinen Elektrorollstuhl angeblich nicht mehr reparieren konnte erschließt sich mir nicht. Gerne hätte ich den SKS als Reserve Rollstuhl behalten, denn es war ja klar, dass auch mein neuer Rollstuhl mal irgendwann in die Werkstatt müsste. Im letzten Jahr meiner Nutzung war der SKS mehr kaputt, als ganz. Durchschnittlich war er in der Woche fast fünf Tage kaputt, und nur noch zwei Tage ganz. Wobei zwei Tage ganz nicht bedeutet, dass ich den Rollstuhl tatsächlich durchschnittlich nur zwei Tage in der Woche fahren konnte, denn es gab auch Defekte, mit denen man durchaus noch fahren konnte. Andererseits muss auch gesagt werden, dass selbst die durchschnittlich zwei Tage noch übertrieben waren, denn in den letzten Wochen fuhr ich den Rollstuhl nur noch reparaturbedürftig, was aber nicht am Hersteller oder dem Sanitätshaus lag, sondern daran, dass meine Krankenkasse die hohen Reparaturkosten nicht mehr übernehmen wollten.

Die genannten Werte hätten wesentlich besser sein können, wenn der Hersteller bei der Ersatzteillieferung regelmäßig schneller agiert hätte. Lieferzeiten von ca. zehn Tagen sind einfach nicht akzeptabel, in der Zeit kann man das Ersatzteil sogar zu Fuß von der Schweiz ins Ruhrgebiet liefern. Aus diesem Grund habe ich mich bei meinem neuen Elektrorollstuhl für ein Gerät von einem deutschen Hersteller entschieden. Auch wenn ich mit dem Elektrorollstuhl von Otto Bock gleich in den ersten beiden Monaten größere Probleme hatte, muss doch gesagt werden, dass die Zuverlässigkeit bei diesem Rollstuhl deutlich höher ist, als bei dem Vorgängermodell von SKS. Zu den ersten Problem gehörte, dass der Sitzhub bei großer Kälte nicht mehr funktionierte, was aber durch eine Änderung in der Programmierung behoben werden konnte. Ein weiteres Problem war, dass offenbar der rechte Antriebsmotor von Anfang an defekt war, was sich aber nur beim Anhalten des Elektrorollstuhl bemerkbar machte. Dieser Defekt machte den Rollstuhl beim Anhalten unkontrollierbar. Der Rollstuhl musste zurück ins Werk, und dort repariert werden. Das war natürlich gleich eine längere Reparatur. Danach funktionierte der Rollstuhl aber erfreulich zuverlässig.

Der Rollstuhl von Otto Bock wurde mir von einem neuen Sanitätshaus geliefert, was doch mindestens 50 km von Gelsenkirchen entfernt ist. Diese Sanitätshaus wurde mir von dem Verkäufer des Herstellers ausdrücklich empfohlen. Ca. 90 % der Reparaturen werden immer von demselben Techniker durchgeführt. Ich kann nun nicht sagen, dass diese Person absolut unfähig wäre, denn was sie Reparaturen anbetrifft habe ich durchaus einen positiven Eindruck von den Techniker, aber seine Arbeiten im Büro scheinen mir doch stark verbesserungswürdig zu sein. So stellte der gute Mann im Dezember 2017 fest, dass meine Reifen abgefahren wären, und ich neue Mäntel bräuchte, aber auf die Idee dies dann auch mal bei der Krankenkasse zu beantragen kam er wohl nicht. Ich hatte ihn einige Wochen später gefragt, wann ich denn jetzt neue Reifen bekäme, und bekam zur Antwort, dass die Krankenkasse dies noch nicht bewilligt hätte. Als sie später erneut nachfragte, kam dann wieder die gleiche Antwort. Mit völlig abgefahrenen Reifen bin ich dann selbst zum Sanitätshaus gefahren, und erfuhren dann, dass bis dahin die neuen Reifen niemals beantragt wurden, und deshalb auch von der Krankenkasse gar nicht bewilligt werden konnten. Doch selbst als die Krankenkasse die dann beantragte Neubereifung bewilligte, dauerte es noch immer ca. zwei Monate, bis der Techniker mal auf die Idee kam, dass ich die bewilligten neuen Reifen auch bekomme.

Das bisherige ist jedoch kein Grund, dass ich mit meinem Elektrorollstuhl unzufrieden wäre, um mich zu der Aussage hinreißen lasse, dass mein erster Otto Bock mein letzter Elektrorollstuhl von dieser Firma sein wird. Das hat andere Gründe. Im September hatte der besagte Techniker einen Schalter an meinem Rollstuhl angebaut, der auf die Sitzhöhenverstellung deutlich schneller reagieren sollte, als das bei Otto Bock bisher üblich war. Am 25. September wurde der neue Schalter eingebaut, der aber keine 24 Stunden später schon nicht mehr funktionierte. Am 26. September wurde das Sanitätshaus über den Defekt informiert, und es gab einen Reparaturversuch durch einen anderen Techniker, der jedoch scheiterte. Man entschied dann, dass man zunächst einen neuen Schalter bestellt, und wenn dieser geliefert wird, wollte man Elektrorollstuhl abholen, über Nacht reparieren, und möglichst am nächsten Tag wieder ausliefern. Im Oktober wurde dann der Elektrorollstuhl abgeholt. In der Werkstatt wurde dann festgestellt, dass nicht nur der Schalter defekt war, sondern auch der Sitzrahmen vorne gebrochen war. Wie so etwas passieren kann, ist mir schon ein Rätsel. Der kaputte Schalter wurde erneuert, aber mit dem gebrochenen Sitzrahmen durfte man natürlich den Elektrorollstuhl nicht wieder ausliefern. Es musste ein neuer Sitzrahmen bei Otto Bock bestellt werden. Und das was nun ablief, ist der Grund, warum ich schon jetzt sagen kann, mein nächster Elektrorollstuhl wird garantiert nicht von Otto Bock kommen. Bei einem Elektrorollstuhl handelt es sich um ein medizinisches Hilfsmittel. Dieser Elektrorollstuhl hat über 21.000 € gekostet, und der Besitzer eines Elektrorollstuhl ist in der Regel auch auf dieses Hilfsmittel angewiesen. Mein Elektrorollstuhl, der am 26. September 2018 als defekt gemeldet wurde, wurde mir erst am 27.11.2018 zurückgeliefert. Zwischenzeitlich war Otto Bock nicht in der Lage einen Sitzrahmen zeitnah zu liefern. Und das ist für mich ein absolutes No Go. Ich bin nicht bereit auf ein Ersatzteil über einen Monat zu warten, weil der Hersteller angeblich nicht in der Lage ist so ein Ersatzteil zu liefern. Erschwerend kommt noch hinzu, dass mir auch das Sanitätshaus in der Zwischenzeit keinen Ersatzrollstuhl zur Verfügung gestellt hat. Ich bin zwar in der glücklichen Lage, dass ich für Notfälle noch einen Elektroscooter besitze. Elektroscooter haben gegenüber einem Elektrorollstuhl zwar auch einige Vorteile, aber natürlich auch einige Nachteile. Dazu gehört, dass es keinen Elektroscooter mit einem Sitzhub gibt. Da das Aufstehen bei mir das größte Problem ist, bin ich natürlich auf den sie zu angewiesen. Außerdem wird mein Elektroscooter vom örtlichen Nahverkehrsunternehmen nicht mitgenommen, was bedeutet, dass ich bei Wind und Wetter direkt zum Bahnhof fahren muss, während ich mit dem Elektrorollstuhl den Bus nutzen kann. Damit scheidet der Elektroscooter, besonders im Winter, als langfristiger Ersatz für einen Defekt Elektrorollstuhl aus. Es ist also schon als Zumutung zu bezeichnen, wenn ich vom Hersteller und vom Sanitätshaus so im Stich gelassen werde, über einen Monat ohne meinen Elektrorollstuhl auskommen muss. Ich habe mich ja nicht ohne Grund für einen deutschen Hersteller entschieden, gerade weil mir die Lieferzeiten bei einem Schweizer Hersteller zu lange dauerten, und akzeptiere nun nicht, wenn nun ein deutscher Hersteller über Wochen nicht in der Lage ist ein Ersatzteil zu liefern. Man muss ja mal sagen, dass es sich bei dem Sitzrahmen keineswegs um eine Sonderanfertigung handelt, sondern so ein Sitzrahmen ist sicherlich in vielen Rollstühlen des Herstellers eingebaut. Vielleicht wäre ja das Ersatzteil schneller geliefert worden, wenn der Techniker die Sache etwas intensiver verfolgt hätte, und die Reparatur bzw. Lieferung etwas ernster genommen hätte.

Am 27.11.2018 wurde der Elektrorollstuhl dann wieder als repariert ausgeliefert. Direkt bei der ersten Testfahrt stellte ich jedoch einen weiteren Defekt fest. Die softwaremäßige Lenksperre lässt sich nicht mehr einschalten. Der Techniker hat noch vor Ort versucht dich zu reparieren, was ihm aber nicht gelang. Nachdem der Techniker wieder weg war, stellte ich dann auch noch fest, dass der Elektrorollstuhl untypische Fahrgeräusche auf der linken Seite macht. Mein Nachbar meint, dies könne vom Radlager kommen, aber ein Kfz-Mechaniker hat dies heute ihr bezweifelt, weil er meint, ein defektes Radlager würde immer Geräusche während der Fahrt machen, während ich festgestellt habe, dass die Geräusche besonders beim Lenken nach links oder rechts zu hören sind, und wenn man bergab fährt. Fährt man dagegen bergauf, gibt es kaum Geräusche. Auch hier muss ich wieder feststellen, dass ich keinen Grund zur Zufriedenheit mit dem Techniker habe. Bereits drei mal habe ich versucht den Techniker anzurufen, und auch zweimal auf seine Mailbox gesprochen, aber auf einen Rückruf warte ich bisher vergeblich, und dies obwohl wir heute schon Freitag haben, und ich ihn schon am Dienstag versucht ihn telefonisch zu erreichen.

Ich werde sicherlich in den nächsten zwölf Monaten noch keine neun Elektrorollstuhl bekommen, es kann auch sein, dass es noch drei Jahre dauern kann, bevor ein neuer Elektrorollstuhl genehmigt wird, aber dass der dann nicht von Otto Bock stammen wird ist für mich schon klar, und das hat sich die Firma selbst zuzuschreiben.

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